Bericht über das Modul "Lectio Divina"

(Januar 2019 in Mariendonk)

von Paula Grastat OSB / Mariendonk

Das Noviziatsmodul zur „Lectio Divina“ wurde geleitet von P. Bruno Rieder. Es waren 15 Teilnehmer aus 11 verschiedenen Klöstern.
Die Lerneinheiten bestanden aus Vorträgen und anschließenden Übungen, um das gelernte in der persönlichen Lectio anzuwenden.
Die einzelnen Einheiten unterteilten sich in:

Gott zwischen den Zeilen
Warum lesen wir überhaupt? Lesen der Schrift als Wort Gottes bewässert unser ausgetrocknetes Innere wie eine Quelle. Wir lesen im Buch der Schrift und im Buch der Schüpfung, beide haben den selben Autor und bei beiden sind wir nicht Zuschauer, sondern Mitspieler. Gott sitzt nicht in den Buchstaben oder den Zeilen, sondern dazwischen. Man muss sich der Leere und Stille aussetzen, um in diesen Leerraum Gott zu finden. Lectio Divina ist Grundhaltung und Lebensweise.

Sakrament unserer Freundschaft mit Gott
Die Bibel will als der lebendige Christus gelesen werden, nur dann spricht Christus durch die Schrift zu uns. Durch das Lesen der Schrift lernen wir Gottes Herz kennen und von diesem Herz sollen wir uns umformen lassen. Es sind nicht wir, die etwas aus der Bibel heraus holen, sondern die Schrift bringt Worte in uns hinein und diese Worte verwandeln und befreien.

Jesus als Vor-Leser
In Lk 10,26 fragt Jesus: „Wie liest du in der Schrift?“, in Lk 4,16-21hat er uns gezeigt, wie er in der Schrift liest und was wir daraus lernen können. Das bewusste Aufstehen zur Lesung, sich das Buch reichen lassen. Sich die Schrift von Jesus vorlesen lassen. Das Erfahrene weiterschenken an andere und schauen wo die Lesung heute in unser Leben hinein leuchtet und Christus aufnehmen, denn dadurch gibt er uns die Macht Kinder Gottes zu sein.

Die Heilige Schrift in der RB
Das Möchsleben als Leben aus der Heiligen Schrift. Die RB versteht sich als Auslegung der Schrift, man wird zur Schrift durch die Regel hingeführt. RB: 4,51-54 ist das innere und äußere zur Ruhe kommen, 4,55 ist das hören und 4,56 dann das antworten. RB 48: Von der täglichen Handarbeit. Die von Gott wegführenden Gedanken sollen mit dem Wort Gottes ersetzt werden.

 Die 8. Gebetsweise des hl. Dominikus
Bildmeditation: Mit beiden Händen die Schrift festhalten, immer den lebendigen Christus vor Augen haben, einen eigenen Raum schaffen und die Hindernisse überwinden, bis man zu den Früchten kommt.

 Guigo II: Scala claustralium
Die erste Stufe: Die Lectio ist das Fundament, auf dem man stehen muss. Die zweite Stufe: Die Meditatio nimmt die Details wahr durch Wiederkäuen und beförtert sie bis zu unserem Herzensgrund. Die dritte Stufe: Die Oratio, hier erfleht der Mensch Gottes Gnade und gewinnt die Kraft zu erfüllen, was ihm aufgetragen ist. Die vierte Stufe: Die Contemplatio ist reines Gnadengeschenk, sie berauscht die durstende Seele, wenn wir uns Gottes Wirken ausliefern.

Lectio Divina: Praxis
Widerstände gehören zum geistlichen Leben und auf diese Widerstände muss man überhaupt erstmal aufmerksam werden und sich mit ihnen produktiv auseinander setzen. Am wichtigsten dabei ist nicht auszuweichen, sondern dranbleiben. Lectio Divina ist aktives Lesen, es geht darum den Text zu verinnerlichen.

Bericht über das Modul "Einführung in die Theologie der Psalmen"

(September 2018 in Mariendonk)

von Fr. Patrick Hartlieb OSB/ Plankstetten

Vom 10. bis 14. September 2018 trafen sich von insgesamt vierzehn unterschiedlichen Klöstern Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland, der Schweiz und Italien zur Gemeinsamen Noviziatsausbildung der VBD in der Benediktinerinnenabtei Mariendonk am Niederrhein. Erfreulich zu begrüßen war, dass so manch „neues Gesicht“, den Weg nach Mariendonk gefunden hatte. Somit ist zu sehen, dass die Teilnehmerzahl wächst und uns das Gefühl vermittelt, in der Ordenswelt „tut sich etwas“.
Grundwissen der Psalmen

Unsere Referentin Frau Sr. Dr. Justina C. Metzdorf OSB aus der Abtei Mariendonk führte uns durch das Thema der Psalmen. Sie fing an mit der Aufforderung aus dem Brief an die Epheser: Wir sind zum Lobpreis seiner Herrlichkeit bestimmt, wir, die wir schon zuvor unsere Hoffnung auf Christus gesetzt haben (Neue Einheitsübersetzung). Der Gläubige wird mit dem Pauluszitat dazu aufgerufen mit dem Lobpreis, sprich anhand des Psalters Gott zu loben und zu danken. Der Mensch gibt dadurch Antwort auf das Handeln Gottes an den Menschen, das er sich vorher erhofft hatte und IHM immer wieder sein Vertrauen und seine Hoffnung schenken. Interessanterweise kennt die hebräische Sprache für „Loben“ und „Danken“ nur ein gemeinsames Wort. Gott loben und ihm danken geschieht durch das Erzählen seiner Taten.

Die Überlieferung und Übersetzung der Psalmen kennt zwei Traditionen: die griechische Tradition der Septuaginta (LXX) und die hebräische Tradition des masoretischen Textes (MT).
In der griechischen Tradition entstand in der Übersetzung der griechischen Koine* ab ca. 250 v. Chr. und war bis ca. 100 n. Chr. abgeschlossen. Zum Corpus der Heiligen Schrift gehören nicht nur hebräische Texte sondern auch original griechischsprachige Schriften wie Zusätze zu Ester und Daniel, die Bücher Tobit, Judith, 1 und 2 Makkabäer, Jesus Sirach, Weisheit, Baruch, der Brief Jeremias, (deuterokanonisch:) 1 und 2 Esra, (apokryphisch:) 3 und 4 Makkabäer, 3 Esra. Es gibt ca. 2000 Handschriften, die ältesten stammen von ca. 200 v. Chr.; die älteste vollständige Hs ist der Codex Vaticanus aus dem 4. Jhd.
* allgemein gesprochene Sprache (das Griechisch im Mittelmeerraum) vereinfachter Wortschatz (Septuaginta – Neues Testament)
In der hebräischen Tradition zwischen 700 und 1000 n. Chr. vokalisierten jüdische Schriftgelehrte (Masoreten) den hebräischen Konsonantentext, der seit Mitte des 2. Jhd. n. Chr. fixiert wurde (Rabbi Akiba). Die Vokalisierung der hebräischen Sprache machte für uns Menschen heutiger Zeit, überhaupt erst möglich, die hebräische Sprache zu übersetzen. Die Masoreten besaßen am See Genezareth, in Tiberias eine Masoretenschule. Überreste davon sind leider nicht mehr vorhanden. Die älteste vollständige Handschrift ist der Codex Leningradensis aus dem Jahr 1008; der noch ältere Codex Aleppo (920) wurde im Jahr 1947 stark beschädigt.

Zu den bedeuteten Textfunden gehören die Funde in Qumran (3. u. 2. Jhd. v. Chr.). Die Schriften weisen in weiten Teilen eine größere Nähe zu LXX als zu MT auf. Zu den Qumran-Psalmen gehören Ps 151 (LXX) sowie Ps 154 und 155 (syrische Peschitta).

Die beiden Sprachtraditionen unterscheiden sich noch in ihrer Zählweise. Somit kommen beide Überlieferungen auf eine jeweils andere Anordnung des Psalters. Bei der Septuaginta (LXX) besteht sogar ein Psalm 151, der sich aber außerhalb der Zählung befindet.
Aufbau und Struktur des Psalters

Die meisten Psalmen der hebräischen und griechischen Überlieferung tragen Überschriften. Diese können als redaktionelle, spätere Zusätze; können Aufschluss über die theologische Grundidee und den Leitgedanken wiedergeben. Die Überschriften enthalten: (kurze) Verfasserangaben bzw. eine Widmung, musikalische Angaben, längere Situationsbeschreibungen. Außer den beiden ersten Psalmen enthalten nur wenige keine Überschrift. Psalmen, die keinen Verfasser nennen, tragen als Titel „Wallfahrtslied“, „Psalmenlied“ oder „Halleluja“.

Psalmengruppen

Die Psalmen lassen sich in verschiedene Gruppen zusammenfassen:
• nach den Verfasserangaben:
-David-Psalmen
-Asaf-Psalmen
-Korachpsalmen

 

• nach bestimmten inhaltlichen Merkmalen:
-Elohistischer Psalter (MT 42-89): Statt des Gottesnamens JHWH wird elohim verwendet.
-Hallel-Gruppen:

-Ägyptisches Hallel/Pesach-Hallel (Ps 113-118 MT) (Hausliturgie der Juden)
-Großes Hallel (Ps 136 MT)
-Kleines Hallel (Ps 146-150 MT)

Die Einteilung in fünf Bücher

Durch bestimmte Schlussdoxologien werden die Psalmen deutlich in fünf Teile gegliedert. Mit dieser äußeren Struktur korrespondiert eine innere.

Der Midrasch Tehillim (3. – 9. Jhd.) versteht den Psalter als Analogie zur Tora:
„Mose gab den Israeliten die fünf Bücher der Tora, David gab den Israeliten die fünf Bücher der Psalmen.“
Bereits die Kirchenväter setzten sich mit der Frage auseinander, welches theologische Konzept hinter der Anordnung der Psalmen stehe. Origenes (gest. 254) erkennt nicht nur die Doxologien als Gliederungsprinzip, sondern hält daran fest, dass die Reihenfolge der Psalmen keine chronologische ist (vgl. com. Psalm., PG 12, 1073). Gregor v. Nyssa (gest. nach 394) erkennt in der Anordnung der Psalmen einen Aufstieg des Menschen zu Gott, der in fünf Stufen erfolgt.

Der Psalter in Analogie zu den fünf Büchern Mose
Die 150 Psalmen stehen in Analogie zu den fünf Büchern des Mose. Im ersten Buch (Genesis) befinden sich Lieder Davids, des „Patriarchen“ der Psalmen. Folgend im zweiten Buch geht es darum die Zeit der Knechtschaft des Volkes Israel bzw. Israel im Exil. Im dritten Buch finden wir Lieder der Leviten, die während des babylonischen Exils um das zerstörte Heiligtum trauern. Das vierte Buch gibt durch den Propheten Mose, der dem Volk die Hoffnung auf Heimkehr gibt. Im fünften Buch folgt schließlich die Heimkehr aus dem Exil und der Hinaufzug bzw. die Erfüllung nach Jerusalem.

Gattungen der Psalmen

Die Psalmen werden in der Gattungsforschung in verschiedene Psalmengattungen differenziert und in zahlreiche Ober- und Untergattungen aufgefächert. Zu den wichtigsten Gattungen gehören: die Klagepsalmen in Form vom Volk oder als Einzelner. Zweidrittel der 150 Psalmen sind Klagelieder, Bittpsalmen, Lobpsalmen, Dankpsalmen, Zionspsalmen, Königspsalmen, Weisheitspsalmen/Lehrgedichte, Wallfahrtslieder und Bußpsalmen.

Die Erzählung aus dem Buch 2 Chr. 5, 12-14 gibt einen Hinweis, dass die Psalmen in der Liturgie eine Rolle spielten.

Die Psalmen als poetische Texte

Das wichtigste poetische Stilmittel der hebräischen Sprache ist der Parallelismus, ein wiederholender Stil, den man auch in Verbindung mit dem Kreisdenken des Hebräers sehen muss. Die verschieden Arten werden wie folgt unterschieden: Synonymer P., Antithetischer P., Synthetischer (komplementärer) P., Parabolischer P. (Bildhälfte und Sachhälfte), Stufenartiger (klimaktischer, tautologischer, repetierender) Parallelismus. Mit dieser Art werden Gedanken und Inhalte in besonderer Weise zum Ausdruck gebracht. In der Übersetzung gehen diese Stilmittel weitgehend verloren.

Die Psalmen in den Schriften des Neuen Testamentes

Ungefähr ein Drittel aller alttestamentlichen Zitate in den Schriften des Neuen Testamentes stammen aus den Psalmen: Das NT hat 196 Bezüge zu den Psalmen; am zweithäufigsten wird das Buch des Propheten Jesaja zitiert (186 Bezüge). In Qumran wurden einige Schriftrollen gefunden, deren Textfragmente des Psalters den Hauptteil aus (31 Rollen), gefolgt von Deuteronomium (25 Rollen) und Jesaja (18 Rollen).

Auch im NT sind die Psalmen von Beginn an Bestandteil der Liturgie. Jesus singt mit seinen Jüngern beim Letzten Abendmahl das Hallel (Ps 113-118), vgl. Mt 26, 30: Nach dem Lobgesang gingen sie zum Ölberg hinaus. Unter anderem sind die Psalmen fester Bestandteil des urchristlichen Gottesdienstes: (1 Kor. 14, 26), (Eph. 5, 19), (Kol 3, 16).

Die Psalmen als Gebet der Kirche

Die Psalmen als Stimme Christi: Augustinus sagte: Die Psalmen sprechen in dreifacher Hinsicht von Christus:
• in Bezug auf seine Menschwerdung
• in Hinsicht auf seine Gleichgewichtigkeit mit dem Vater
• von den Gliedern der Kirche, dem Leib Christi (vgl. 1 Kor. 12)

Dazu das Zitat: Christus betet für uns als unser Priester, er betet in uns, seinem Leib, als unser Haupt, und er wird von uns angebetet als unser Gott. (…) Wir beten also zu ihm, durch ihn und in ihm. Wir sprechen mit ihm und er mit uns.
Augustinus, en. PS. 85

In den Psalmen wird uns täglich der Spiegel unserer Seele vor Augen geführt und dadurch die Gemütslage, in der wir uns gerade befinden, bewusst. Persönlich finde ich immer wieder faszinierend, das die Psalmen dem Psalmenbeter niemals „eintönig oder ab gespult“ vorkommen, weil wiederum der Beter durch die unterschiedlichen Psalmen, trotz der immerwährenden Wiederholungen, in verschiedene Stimmungen versetzt wird.

Dazu noch ein Zitat: Durch das Meditieren der Psalmen kommt der Mensch zu innerer Ruhe, sein Zorn wird besänftigt, seine Besonderheit gefördert, seine Vergebungsbereitschaft erhöht, seine Freundschaft zu Gott gestärkt; er lernt Langmut, Menschenliebe, Güte, Tapferkeit, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit.

Basilius von Caesarea, Psalmenhomilie 1, 1

Die Psalmen als gesungenes Gebet

Einer der bekanntesten Zitate der Kirchenväter ist wohl in Bezug zum Psalmengesang, die Aussage des Augustinus v. Hippo:

Wer singt, betet doppelt.

Auch der Heilige Benedikt verstand die Haltung beim Psalmengebet bzw. Gottesdienst:

Stehen wir also beim Psalmensingen so, dass unser mens (Verstand, Denken, Verstehen) mit unsrer vox (Stimme) übereinstimmt (concordet).

Benediktsregel 19,7 (Die Haltung beim Gottesdienst)

Nach dem Grundwissen der Psalmen wagten wir uns an die Exegese und betrachteten ausgewählte Psalmen, von denen die zur Auswahl standen.
In den beiden Eröffnungspsalmen des Psalters fiel uns unter anderem auf, der Satz: Und alles was er tut, gelingt. Die Kirchenväter bezogen diesen Satz auf Jesus Christus. Der Mensch kann nicht vollkommen sein (Psalm 1).

Der Psalm 2 möchte die Glaubenden zu Gott bekehren. Die Aussage: Du wirst sie mit einem eisernen Stab weiden, wie das Gefäß eines Töpfers sie zerschmettern. Der Vers zieht sich von der Bedeutung durch die Heilige Schrift (Führt der Erziehung zu Gott hin und Neuschaffung durch Formung).

Zum Abschluss betrachteten wir noch wie viel Weihnachten in einem gregorianischen Choral der Osterliturgie stecken kann. Wir nahmen zum Vergleich das AD MISSAM IN NOCTE aus dem Graduale Romanum und dem Psalm 2 aus dem Stuttgarter Psalter.

Wir bedankten uns bei Sr. Dr. Justina C. Metzdorf OSB für die hervorragende Vorbereitung und Durchführung des Moduls. Am Freitagvormittag fuhren wir wieder wohlbehalten in unsere Klöster zurück und sind schon gespannt auf das nächste Modul in Mariendonk.

Bericht über das Modul "Einführung in das Neue Testament" in Salzburg (Januar 2018)

von Fr. Patrick Hartlieb, Plankstetten

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Von 08.01 bis 12.01.2018 fanden sich im Rahmen der Gemeinsamen Noviziatsausbildung der VBD, elf Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus neun un¬terschiedlichen Klöstern aus Deutschland, der Schweiz und Italien, im Institut für Benediktinische Studien in Salzburg ein.

Nach einer Stärkung durch Kaffee und kleine Snacks und einer kurzen Vorstel¬lungsrunde fingen wir schon bereits mit der Ausbildung an. Unsere Referentin Sr. Dr. Justina Metzdorf OSB aus der Abtei Mariendonk bei Grefrath war einigen Teilnehmern/-innen bereits von vorigen Ausbildungsmodulen bekannt und stellte sich uns nochmals vor. So langsam ergibt sich in der Ausbildungs¬reihe der Gemeinsamen Noviziatsausbildung der VBD ein "engerer Kreis" der Teilnehmenden.

Das erste Ausbildungsthema handelte über die Kanongeschichte des Neuen Testamentes. Im 39. Osterfestbrief des Athanasius von Alexandrien (367) liegt eine Liste vor, in der erstmals alle neutestamentlichen Schriften aufgezählt wer¬den. Im Zuge dieses Thema wurde die Geschichte der Paulusbriefe und Evange¬lien erläutert. Zudem zu Letzt genannten Thema wurden uns die Apokryphen Evangelien erklärt, jene in wahrsten Sinne des Wortes eher im "Verborgenen" behandelt werden und eher nicht so bekannt sind. Sie stammten aus der Zeit der Antike und wurden nicht in den Kanon des Neuen Testamentes aufgenom¬men.

Auf der Zeitschiene des Neuen Testamentes bewegten wir uns ins 2. Jhd. n. Chr. und nahmen die älteste Handschrift des Neuen Testamentes unter die Lupe. Ebenfalls wurde aus dem 4. Jhd. der Codex Sinaiticus von Konstantin von Tisch¬endorff im Jahre 1844 im Katharinenkloster auf dem Sinai entdeckt. Der ge¬nannte Codex enthält das vollständige Neue Testament und große Teile des Al¬ten Testamentes. Nach dem geschichtlichen Teil der Evangelien nahmen wir die Zwei-Quellen-Theorie durch. Genauer betrachtet wurden die drei "Synoptiker" und deren unterschiedlichen Quellen, die sie zur Entstehung ihrer Evangelien verwendet hatten. Da es schriftliche Quellen gab, die sich auf die Aufzeichnung von Worten und Gleichnissen Jesu beschränkten, beweist das apokryphe Tho¬masevangelium. Dabei wurde auf das Sondergut und die Logienquelle (Quelle Q) von Matthäus und Lukas zurückgegriffen. Im Zuge der Evangelien wurden Be¬sonderheiten der drei "Synoptiker" und die Unterschiede zwischen dem Johan¬nesevangelium und den "Synoptikern" erläutert.

Im zweiten großen Teil des Kurses wurden die Briefe des Neuen Testamentes durchgenommen. Zuerst nahmen wir die unterschiedlichen Briefarten, die in der Antike gängig waren, durch. Zudem erfuhren wir mehr über die Beschreibstoffe und Buchform im griechisch-römischen Raum in der Antike. Natürlich behandel¬ten wir ebenso die Briefe des Apostels Paulus und sein Leben. Angefangen mit Paulus und die Apostelgeschichte, in diesen Themen nahmen wir einen genauen Blick auf die Unterschiede der Überlieferungen der beiden Erzählungen. Darüber hinaus lernten wir die vierzehn Briefe des Paulus kennen, wovon aber sieben Briefe als "echte" Paulusbriefe und sieben als "unechte" Paulusbriefe zählen. Be¬sonders interessant war eine literarkritische Analyse eines Briefes, den Zweiten Korintherbrief kennenzulernen. Dabei wird der Brief anhand von Brüchen, Span¬nungen und Ungereimtheiten untersucht. Letztendlich stellt sich dabei heraus, dass der Brief aus sechs verschiedenen Fragmenten zusammengefügt wurde.

Für besonderen Zuspruch und Diskussionsbedarf sorgte der Römerbrief, dessen Inhalt am wenigsten Briefcharakter aufweist, sondern sich mit systematisch the¬ologischen Gedanken befasst. Nach dem Römerbrief wurde eine Auswahl an noch besprechenden Briefen getroffen und wir fassten die Pastoralbriefe zusam¬men.

Die Pastoralbriefe (1. und 2. Tim. u. Tit.) sind im Gegenteil zu den paulinischen Briefen an die Gemeinden, an die "Hirten" gerichtet. Anstatt von Aufzählungen von persönlichen Charismen findet man in den Pastoralbriefen die Aufzählung von institutionalisierten Ämtern. Uns liegt in den Pflichtenspiegeln der Briefe, die erste uns bekannte Kirchenordnung dar. Der unbekannte Verfasser der drei Briefe, ist jedoch überzeugt, im Sinn und in der Autorität des Apostels Paulus zu schreiben und dessen Lehre für seine Zeit verbindlich darzulegen.

Zum Abschluss nahmen wir noch das letzte Buch der Bibel durch. Die Offenba-rung des Johannes hatte es zunächst schwer, aus unterschiedlichen Gründen, in den Kanon der Heiligen Schrift zu gelangen. Dennoch begeisterte uns das Buch und fanden heraus, wie viele Apokalypsen in der alttestamentlichen und frühjü¬dischen Tradition bereits vorhanden waren.

Nach dem Frühstück, am Freitag, den 12.01.2018 fuhren wir wieder in unsere Heimatklöster und trennten uns schweren Herzens. Ein großer Dank und ein herzliches Vergelt´s Gott gilt unserer Referentin Sr. Dr. Justina Metzdorf OSB.

Bericht über das Modul "Einführung in die Sakramentenlehre"

von Sr.Maria Gratia Waldner / Kloster Säben

Vom 12. – 16. März 2018 fand in der Abtei Mariendonk das 6.Modul der Gemeinsamen Noviziatsausbildung der VBD statt.
Am Nachmittag des 12.3. konnte Sr. Justina Metzdorf im Vortragsraum des Gästetraktes die Referentin Sr.Raphaela Brüggenthies aus der Abtei St. Hildegard/Eibingen und 15 Teilnehmer/innen aus verschiedenen Klöstern (OSB / OCist) des deutschen Sprachraums begrüßen.
Ganz im Sinne unseres hl. Vaters Benedikt (RB Prol. 4) wurde der Kurs mit einer Anrufung des Heiligen Geistes - dem Lied „Komm, Heilger Geist, der Leben schafft“- eröffnet. Es folgte eine kurze Vorstellungsrunde, und -als Einstieg ins Modul- erzählte jeder in der Gruppe von seiner ganz persönlichen Erfahrung mit einem bestimmten Sakrament. Anschließend versammelten wir uns mit den Schwestern der Abtei zum Abendlob in der gelungen-renovierten Klosterkirche. Die gemeinsamen Gottesdienste und das harmonische Chorgebet der Schwestern begleiteten uns auch in den folgenden Tagen und ließen das Gehörte noch besser verinnerlichen.
Sr. Raphaela verstand es, uns das Thema Sakramente auf sehr lebendige und abwechslungsreiche Art und Weise zu erschließen. Besondere Bedeutung kam natürlich den betreffenden Bibelstellen zu. Ihre eigenen Ausführungen ergänzte die Referentin durch Bildmeditationen und Texten, die uns zum Innehalten und Nachdenken anregten; anschließend folgte - einige Male zuerst in Kleingruppen - dann im Plenum ein reger Austausch. Die Einheiten klangen gern mit einem Lied, von Sr. Raphaela am Klavier begleitet, aus.
Inhaltlich wurde die Ausbildung mit einem Überblick über die sieben Sakramente als Zeichen der besonderen Gegenwart und Zuwendung Gottes eröffnet. Ausgehend vom Ursprung in der Heiligen Schrift und den Erläuterungen im Gotteslob zur „Feier der Sakramente“ wurde uns die Begegnung mit Christus, dem Ursakrament, durch das Wirken des Heiligen Geistes in der Kirche, dem Grundsakrament, vor Augen geführt. Die Darstellung „Altar der Sieben Sakramente“ von Rogier van der Weyden zeigt sehr eindrucksvoll die Bedeutung der Sakramente als unsere Begleiter durchs ganze Leben - von der Wiege bis zum Sterbebett.
Erster großer Themenschwerpunkt war dann das Sakrament der Taufe: das Neu-geboren-werden zur besonderen Kindschaft Gottes und dem Auftrag als Christ zu leben. Eingehend beschäftigten wir uns mit den Aussagen des Liedtextes „Fest soll mein Taufbund immer stehn“ und dessen Entwicklung im Laufe der Jahrhunderte.
Das Bild „Abendmahl“ von Sieger Köder war dann die Überleitung zum nächsten Initiationssakrament, dem Herzstück der Sakramente: die Eucharistie. Ausgangspunkt unserer Betrachtungen waren die Einsetzungsberichte der drei synoptischen Evangelien und weitere Stellen im Neuen Testament (Joh. Brotrede, Einsetzungsbericht nach Paulus im 1. Kor), sowie Auszügen aus dem Katechismus der Katholischen Kirche: Jesus bricht das Brot, das er selbst ist; er ist Priester und Opfer zugleich; Brot und Wein werden zu Leib und Blut Christi – das eucharistische Mahl zur Vergegenwärtigung der Selbsthingabe Jesu. Die Sequenz der Fronleichnamsliturgie „Lauda Sion“ (Thomas v. Aquin) diente zur Vertiefung. Die Kurzgeschichte „Weißer Sonntag“ von Christoph Ransmayr und Gedichte von Andreas Knapp beschlossen diese Einheit.
Am letzten Tag der Ausbildung stand unter dem Motto „Der Name Gottes ist Barmherzigkeit“ zunächst das Sakrament der Buße im Mittelpunkt. Nachdem wir die Bibelstelle „Jesus und die Ehebrecherin“ betrachtet hatten, widmeten wir uns dem Gleichnis vom verlorenen Sohn. Gegenstand der Betrachtung waren hier zwei Bilder der Maler Rembrandt und Slevogt zu diesem Thema. In der Gegenüberstellung waren bei Rembrandt besser die Züge des barmherzigen Vaters zu erkennen, während bei Slevogt die Angst des verlorenen Sohnes im Vordergrund steht.
Anschließend kam die Referentin auf das zweite Sakrament der Tröstung - die Krankensalbung - zu sprechen. Nach der Betrachtung des Psalms 88 „Die Klage eines Kranken und Einsamen“ wurde die geschichtliche Entwicklung des Sakramentes beleuchtet: Die Krankensalbung hatte im Laufe der Geschichte immer mehr den Charakter des Sterbesakramentes erhalten („Letzte Ölung“), erst seit dem II Vatikanischen Konzil wird wieder der heilende, aufrichtende Charakter des Sakramentes betont.
Zum Thema Weihesakrament lasen wir abschließend eine Predigt zu einem goldenen Priesterjubiläum „Jesus als Vordermann“ von Peter Walter. Die sieben Sakramente als Überblick in tabellarischer Form und das Exsultet als Nachtrag zum Modul und als Vorbereitung auf Ostern bildeten den Schluss der Ausbildung.
Auch außerhalb der Unterrichtseinheiten gab es immer wieder Gelegenheit miteinander ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. Eine besonders schöne Begegnung war die Rekreation am Mittwochabend gemeinsam mit den Schwestern der Abtei Mariendonk: Eine Bildpräsentation unsrer Klöster und Gemeinschaften verschaffte uns neue Einblicke in die Geschichte der verschiedenen Abteien und das Leben unserer Mitbrüder und Mitschwestern.
Dass „ Miteinander auf dem Weg sein“ immer wieder die Bereitschaft zum Loslassen und Abschiednehmen verlangt, mussten wir in diesem Modul schmerzlich erfahren. Seit unserem letzten Zusammentreffen haben sich vier aus unserem Novizenkreis entschlossen den monastischen Weg zu verlassen und „in Freiheit fortzugehen“ (RB Kap.58) . . .wir begleiten sie mit unserem Gebet und wünschen ihnen Gottes Segen für ihre Zukunft!
Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle unserer kompetenten Referentin Sr.Raphaela für die wertvollen Impulse und M. Christiana Reemts und Ihrer Schwesterngemeinschaft für die gute Organisation und die herzliche Gastfreundschaft!

Einführung in die Liturgie mit P. Johannes Hauck OSB / Niederaltaich

Bericht von Fr. Philippus Mayr OSB / Stift Göttweig

Vom 2. bis 6. Oktober 2017 fand in der Benediktinerinnen-Abtei Mariendonk das 4. Modul der „Gemeinsamen Noviziatsausbildung“ mit dem Titel „Einführung in die Liturgie“ statt.

Modul Liturgie 2017

Mit gemischten Gefühlen ob der großen Entfernung traten mein Mitbruder Fr. Thomas und ich die knapp 1.000 km lange Reise per Bahn ins Niederländisch-Deutsche Grenzgebiet an. Durch ein Begräbnis in unserem Konvent konnten wir uns der großen Schar in Mariendonk erst einen halben Tag verspätet anschließen. Insgesamt 21 Teilnehmer aus 17 unterschiedlichen Klöstern aus 4 Ländern (Deutschland, Schweiz, Österreich, Südtirol) waren versammelt, um von P. Johannes aus Niederaltaich in die Tiefen unserer Liturgie geführt zu werden.

Gleich zu Beginn bekam die Gruppe die Aufgabe, jeder Einzelne möge seine bisherigen persönlichen positiven und negativen Gedanken zum Begriff Liturgie sammeln und aufschreiben. Jeder hatte dann die Gelegenheit, diese der Gruppe vorzutragen und das geschriebene auf einer Tafel für alle ersichtlich anzubringen. In der Abschlusseinheit am letzten Tag wurden diese Gedanken noch einmal aufgegriffen und gemeinsam reflektiert. In Kleingruppen wurden mögliche Lösungsansätze für die aufgezeigten „Probleme“ mit der Liturgie erarbeitet und einander präsentiert.

Ein weiterer großer Abschnitt dieser Ausbildungstage betraf die Eucharistiefeier und hier ganz besonders die Hochgebete. Anhand ausgewählter Bibelstellen (Brief an Korinther, Markusevangelium, Apostelgeschichte) und nachbiblischer Schriften (Didache, 1. Apologie von Justin d. Märtyrer, „Traditio apostolica“) ergründeten wir, wie die frühen Christen gemeinsam Eucharistie feierten, welche neuen Herausforderungen die konstantinische Wende brachte und wie all diese Elemente zu unserer heutigen Eucharistiefeier führten. Wir lernten die Teile und Begrifflichkeiten des Hochgebetes wie Epiklese und Anamnese kennen und woher unsere westlichen Hochgebete kommen.

Da in der Abtei Niederaltaich auch der byzantinische Ritus gepflegt wird, konnte uns P. Johannes auch den Reichtum der östlichen Überlieferung zugänglich machen und über Gemeinsamkeiten und Unterschiede sowie das gemeinsame Leben in Niederaltaich referieren.

Der dritte große Teil des Kurses betraf das Stundengebet. Hier erarbeiteten wir die Entstehung unserer Gebets- und Festzeiten, sowie die Psalmenordnungen in ihren verschiedenen Ausgestaltungen. Auch unterschiedliche Gebetshaltungen und -gesten wurden besprochen und wie all diese Aspekte eine lebendige Liturgie aufbauen.

All das Gelernte konnten wir bei der Teilnahme an der Liturgie der Schwestern von Mariendonk nochmal beachten und vertiefen. Ungewohnt und unbekannt war zumindest für uns Göttweiger das Morgenoffizium mit integrierter Eucharistiefeier.

Neben all diesen Arbeitsschwerpunkten gab es auch noch Zeit für gemütliches Beisammensein. Ob bei den Essenszeiten oder bei gemeinsamen Spaziergängen durch die ruhige und weite Umgebung des Klosters, oder auch beim abendlichen Zusammensitzen der Gruppe. Wir nutzten die Gelegenheiten für einen regen Erfahrungsaustausch unter „Gleichgesinnten“ und fanden viele Gemeinsamkeiten mit unseren Erfahrungen im Ordensleben.
Wir hatten auch die Gelegenheit, die Klausur und die Paramenten-Werkstätten von Mariendonk zu besichtigen und konnten auch einen Blick in die Kirche werfen, deren Renovierung fast abgeschlossen ist und die durch ihre schlichte Schönheit besticht. An einem Abend luden uns die Schwestern von Mariendonk zu gemeinsamen Abendessen und Rekreation ein, wo neben netten Gesprächen mit dem Konvent auch jeder von uns die Möglichkeit hatte, sich und sein Heimatkloster vorzustellen und dessen Besonderheiten hervorzuheben.

Und viel zu schnell kam der Freitag als Tag des Abschied-Nehmens. Immer weiter löste sich unsere Gruppe auf dem Weg durch Deutschland ostwärts auf, wobei sich alle gegenseitig herzlich verabschiedeten und auf ein Wiedersehen hofften.
Aus unserer anfänglichen Skepsis zu der weiten Reise entwickelte sich bei Fr. Thomas und mir eine große Freude und Dankbarkeit, an dieser Ausbildungswoche teilnehmen zu dürfen und wir hoffen, dass wir wieder die Gelegenheit bekommen, an diesem Kursprogramm teilzunehmen.

Gottes Segen für all unsere Mitbrüder und Mitschwestern, denen wir in diesen Tagen begegnen durften und deren Häuser und Konvente.

Fr. Philippus, Stift Göttweig